Gedichte

 

Sei still!
mein liebes Ich, damit Gedanken artig bleiben.
Ein Gott wacht über dir und mir und pflanzt
uns Engelsfedern in die Träume ein. Der Tag
verklimmt zu einem goldnen Abendgrab. Die
Farbe fällt uns von dem Goldrand-Tellerrand.
Es sind die schönsten Tage die unfassbar bleiben.
Und doch, mein liebes Ich, sei still und schlafe
                                 endlich ein.

02.04.2015



Ich hör die Kiesel brechen. Schritt auf
Gedankenschritt legt sich der Schotter-
weg jetzt tiefer.

14.11.2014



Ich hänge nur die g'raden Bilder an die Wände
Sie zeigen eine schöne Welt und wie mein Leben
glücklich ist. Ich habe Sperlingsscheuchen in die
Bilder mir gehängt. Und trotzdem hör ich Flügel-
schlagen. Ich eile über meine Bilderstraßen und
scheuche die Gedanken links und rechts vom Weg.
Sie fliegen lachend auf und
                            kreisen.

08.11.2014



In einem Labyrinth aus Aber und Viel-
leicht husch ich im Kreis herum. Ein grünes
Dornenkleid rankt in den Tagesresten hoch und
blüht ins Grau des Dämmerlichts hinein. Ich
zähle leise alte Kindermären auf. Ich
glaube fest, ich glaube an das Schicksal
und an Gott, dass alles mir in meinem
Leben vorbestimmt, dass Glück und Leid-
enschaft in jedem Lebenswinkel auf mich
warten wird und brennt. Bin ich nicht ich,
bin ich nicht Mensch und Abbild eines Gottes
der mich liebt und kennt? Ich kreise
um mich selbst und Rosen ranken leise mir
durch meine offnen Hände himmelwärts davon.
Ich liege wach und alles um mich schläft.
Es wird so still in meinem eignen Dornenröschen-
schloß. Schlaf gut, mein süßes Ich, ver-
schlafe alles was du leben, lieben willst.

25.10.2014



Zikaden zirpen in den Sommer-
resten. Mein Kopf kreist
müde, verdreht um eine Sonne
die nicht wärmt. Der Tag
verwelkt in leuchtend goldnen
Farben und ich ein havariertes
Sternenschiff im Farbenmeer.
              
             Der Herbst zieht
seinen feuchten Pinselstrich!

18.10.2014



Unter Wolken knattern fröhlich an-
Geleinte Kinderdrachen. Der Herbst spaziert
Beschwingt und rauher Atem bläst das
Buschwerk viel zu laut, reißt viel zu früh
Und Blatt für Ahornblatt die bunt beschmierten
Abschiedsbriefe aus. Das goldbesetzte
Cinderella-Kleid löst sich in meinen
Eintagsträumen auf und fällt. Und ich? Fall
Ich nicht auch? in eine Freiheit, die
mir gänzlich ist so unerwünscht vertraut.

14.10.2014



(Herbstgedanken)

Du zupfst dir rote Blätter von den Zweigen
zupfst dir dein Kleid zurecht

Ob dir das Kleid in all den bunten Farben
auch richtig sitzen wird?

09.10.2014



Gedanken sind nur Scherben,
sie zeigen nie das ganze.

03.10.2014



Du malst mit roter Farbe dein Herz auf meine Brust
Der Wind pflückt alle Farben aus frisch bemaltem Land
Aus Himmelserkern kehrt er
uns Wolken grau ins Bild
Der Himmel hängt voll Geigen und hängt die Geigen
viel zu schief zurück in dieses Bild.

03.10.2014



kreuzspinn, ahoi

sich beugender
majamais, 3 klafter wellen im wind, palm-
grün hinter blumen-
kohl und meer-
rettich. das netz aus-
geworfen in den aufsummenden tag

(2005)




vater bespricht den glühenden stein
den blutstern im blau
wenn ich tagsüber
lichter erfinde und brotkrumen über
himmelskarten streue

du weißt, eine krähe frisst hungrig den weg
damit mären
märchen bleiben und hänsel nicht ruft
aus dem dunkel

(2004)




immanent

entgleisen ins neue. im wechsel.
dem takt

folgend langsam: ver-viel

sprechend, (mir) ver
borgen( ... im

warten, in worten
unmerklich

zäsur |...
bruch. du & ...) den anfang
im ende

verkennend er
hoffen.

& fallen ins weiter. & wieder ...
im weiter: im fallen:
zäsur |...

(2001)



monster im schrank

spielten wir kinder zwischen
wollmänteln und anderen verkleidungen
hier wohnte unser gelungenes
erschrecken wenn ein kühles
zitterhändchen ein huhu
durch die stoffe griff

vor dem schlüsselloch das kläffen und
knurren der in sich verbissenen eltern-
wölfe

(2009)



aus dem morgigen heu gelesen

weizenheer stehe stramm über hügel
das heimatgras (hafer und rispe)
mit im bund (türkenbund einer seltenen
lilie) blühe auf und geschwollenen
auges hinaus in die wonnemonate, bald
flattern lungenflügel wo maschine sonst nur fiepte
hier helikoptern insekten zwischen blüten, raum-
fische die satelliten in die winde beladen
wo wehe und aber der sporen (schwebende
pollenkornkolonnen) sich mit allmacht und
allnacht verschwören

ein ersticken, ein
hier bin ich zuhaus

(mai 2009)